Geheimzeichen - Bundessymbol - Bekenntnis - Wunsch oder Bekräftigung
Der Ausdruck "Zirckel", "Gezirk" oder "Zirck" wird schon in den Urkunden des ausgehenden Mittelalters für Zusammenschlüsse und Vereinigungen von Menschen mit gleichen Interessen und Zielen gebraucht. In gleichem Sinne verwendet es noch Schiller in seiner "Ode an die Freude", wo es heißt: "...schließt den heilg'en Zirkel dichter!".
Wie vieles im Brauchtum der studentischen Korporationen stammt auch der Zirkel aus der Welt der Studentenorden, deren erster 1733 gegründet wurde. Da sie Geheimgesellschaften waren, wurden sie immer argwöhnisch beobachtet, 1783 mit einem Bannfluch des Papstes belegt und zehn Jahre später bei Androhung der Relegation strengstens verboten. Der letzte Orden wurde 1812 aufgelöst.
Um ihre Entdeckung zu erschweren und Absender und Empfänger von schriftlichen Botschaften zu schützen, entwickelten sie eine Reihe von geheimen Zeichen z.B. Punkt- oder Kreuzbrüche in Verbindung mit Buchstabenfolgen, die die Anfangsbuchstaben ihrer Wahlsprüche darstellten.
Ab 1785 ist nachweisbar, daß diese Buchstaben als Monogramme auf die Ordenskreuze eingraviert wurden und auch schriftlich Botschaften damit "gesiegelt" wurden. Dies waren aber noch keine Zirkel im heutigen Sinn. Die Entwicklung dazu ist deutlich in einem Stammbuch eines Münchner Studenten zu verfolgen:
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gab es keine einheitliche Schreibweise. In den einzelnen Verbindungen waren bis zu acht verschiedene Schreibweisen nachweisbar.
Ab ca. 1820 wird das Ausrufezeichen hinter der Buchstabenverschlingung gesetzt. Der Schreiber wollte damals ausdrücken, daß er noch aktiv war bzw., daß seine Verbindung nicht vertagt oder gar suspendiert war. Heute wird das Ausrufezeichen als Bekräftigung des mit dem Zirkel ausgedrückten Wunsches aufgefaßt.
Der Cimbernzirkel vereinigt die Buchstaben F, C und V und stehen für "Vivat circulos fratrorum" - es lebe der Kreis der Brüder. Ursprünglich bedeuteten die drei Buchstaben V-C-F "Vivant fratres coniuncti" - die vereinten Brüder sollen leben! Zusammen mit den Anfangsbuchstaben der Verbindung kann man unseren Zirkel lesen als "Die in der Cimbria vereinten Brüder sollen leben". Die heute allgemein verbreitete Deutung als "vivat - crescat - floreat" ist erst seit der Jahrhundertwende üblich, wahrscheinlich aus Unkenntnis der früheren Bedeutungen.
Die Bezeichnung "Zirkel" geht eindeutig auf die Bedeutung "vivat circulos fratrorum" zurück, weil die Bezeichnung für diese Art eines Monogramms sonst nicht erklärbar ist.
Bei Burschenschaften war es teilweise üblich, die Buchstaben E (für "Ehre"), F (für "Freiheit") und V (für "Vaterland") im Zirkel zu verbinden.
Seit 1839 ist es üblich, den Zirkel hinter seinen Namen zu setzen, nun weniger als Erkennungszeichen, mehr als Bekenntnis zu seinem Bund und zu seinen Idealen, vor allem aber als Bekräftigung des Wunsches nach einem Fortbestehen des Freundeskreises, daß die Freundschaft ungetrübt erhalten bleibe und die Verbindung wachse, blühe und gedeihe.