Farbenstudententum und Nationalsozialismus

Der Vorwurf, dem Mitglieder von Studentenverbindungen heute am häufigsten ausgesetzt sind, ist der der Rechtslastigkeit, der braunen Vergangenheit, der Rep-Affinität, des Antisemitismus, des nationalsozialistischen Gedankenguts etc.

Dabei wird ständig darauf hingewiesen, daß die Korporationen zu den treuesten Gefolgsleuten Hitlers gehörten. Bilder mit Chargierten und nationalsozialistischen Würdenträgern, auch mit Hitler werden als Beleg angeführt, Zitate aus Reden nazifreundlicher Korporierter und Karikaturen von Farbenstudenten mit der Hakenkreuzfahne sollen die Behauptungen beweisen.

Wahr ist, daß eine Reihe namhafter Nazis korporiert waren: Gauleiter Ernst Kaltenbrunner, Heinrich Himmler, Alfred Rosenberg, Horst Wessel u.a.

Wahr ist aber auch, daß die nationalsozialistische Begeisterung den weitaus größten Teil des Volkes erfaßt hatte, daß alle Stände und Verbände ihre Nazis und ihre Widerständler hatten. Der größte Teil der Professoren und Richter trug das Hakenkreuz an der Robe, sogar Pfarrer, und Bischöfe (Reichsbischof Müller!). Inwieweit sie sich mit dem Gedankengut der Nazis identifizierten ist eine andere Sache.

So wie es korporierte Nazis gab, so gab es korporierte Widerständler. Aus dem Kreis um den 20.Juli seien genannt: Legationsrat Eduard Brücklmeier, Botschafter Ulrich von Hassel (Suevia Tübingen), SS-Oberführer Gottfried Graf von Bismarck (Saxo-Borussia, Heidelberg), ORR Peter Graf York v. Wartenberg (Borussia Bonn), Botschafter Hasso v. Etzdorf, Gotthard Frh. v. Falkenhausen, Legationsrat Adam v. Trott zu Solz, Marineoberstabsrichter Berthold Graf Schenk v. Stauffenberg (Bruder des Attentäters), Fritz Dietloff, Graf v. der Schulenburg (Saxonia Göttingen), Karl Sack, Chefrichter des Heeres (Vineta, Heidelberg)

Sie wurden ausnahmslos hingerichtet.

Die großen Korporationsverbände standen den Nazis nur zum kleisten Teil freundlich gegenüber, die Corps-Verbände vor allem und die religiös geprägten sehr stark. Die Deutsche·Burschenschaft hatte 1933 174 Burschenschaften vereint. Davon spalteten sich 50 Ende 1933 ab, weil sie den nationalsozialistischen Kurs nicht mitmachen wollten. 1935 löste sich die Deutsche Burschenschaft in vorauseilendem Gehorsam auf mit der Begründung, daß das Ziel erreicht sei, was immer damit gemeint war.

Im gleichen Jahr wurde das Farbenstudententum verboten, das Couleur mußte meistenorts abgeliefert werden, die Verbindungshäuser wurden beschlagnahmt. Das Verbot war schon länger geplant, da die Verbände und einzelnen Verbindungen es abgelehnt hatten, das sogenannte "Führerprinzip" zu übernehmen, d.h. das Conventsprinzip abzuschaffen. Nationalsozialistisch überzeugende Führer-Senioren sollten die Verbindungen auf Kurs bringen. Dies gelang nicht. Die meisten Verbindungen bestanden weiter im Geheimen oder als geduldete Kameradschaft. Daß es geheime Verbindungen weiterhin gab, geht aus dem 1936 erlassenen Unvereinbarkeitserklärung hervor, wonach die Mitgliedschaft in der NSDAP und einen Verbindung unvereinbar ist. Viele Verbände waren ausgesprochen nazi-feindlich u.a. der Burschenbundsconvent der 1919 gegründet wurde in bewußter Gegnerschaft zum aufkommenden nationalsozialistischen Gedankengut. Dieser Verband war der einzige pflichtschlagende, farbentragende Verband, der als Mitglied jeden deutschen oder ausländischen Studenten aufnahm, der sich zu Toleranz und freiheitlichen Ideen bekannte, ohne Rücksicht auf Rasse, Herkunft oder Konfession. Ausgeschlossen blieben nur Kommunisten und Nationalsozialisten. Diese Verband wurde deswegen schon 1933 zwangsaufgelöst. Vor allem, weil er sich strikt weigerte jüdische Mitglieder auszuschließen.

Auch die Cimbria hatte Nationalsozialisten in ihren Reihen, die in SA-Uniform zu Veranstaltungen erschienen und einmal einen Kommers sprengen wollten. Von ihnen lebt keiner mehr. Ein jüdischer BB trat freiwillig aus, um dem Bund nicht zu schaden. Heute gelten bei uns die Prinzipien des Burschenbundconventes. Extremisten von links und rechts haben keine Chance, aber jeder andere, der unsere Ideale und Prinzipien anerkennt.